Freitag, 21. Februar 2014

Stille (Treppe)

Keine Angst, dieser Post hat gar nichts bis wenig mit einer Methode einer stark polarisierenden Fernsehsendung mit Erziehungstipps zu tun, dennoch sind wir damit schon Mitten im Thema dieses Beitrags.
 
Immer noch von einer hartnäckigen Grippe gebeutelt, habe ich mich jeden Tag dieser Woche nur nach Stille gesehnt, während aber gerade jetzt das Leben um mich herum wieder  besonders tobt. Da verwundert es dann auch nicht, wenn gerade wieder die "Bin ich eine gute Mutter"-Frage in eine neue Runde geht.
Nach dem mein Sohn vier Tage mit Schnupfen zu Hause war, weil ich ihm genug Zeit geben wollte, sich zu erholen, habe ich ihn am Montag wieder in die Schule geschickt. Nach knapp zwei Stunden und einen Arztbesuch später waren wir wieder gemeinsam zu Hause. In der Schule hatte er Fieber, zu Hause nicht, während er vom Arzt nicht mal ein Medikament bekommen hat, sitze ich hier mit den Nebenwirkungen von Penicillin. Als verantwortungsvolle Mutter lasse ich also mein Kind wieder zu Hause, obwohl es völlig fieberfrei ist und mir die Hölle auf Erden bereitet, weil es nicht in die Schule darf. Leider funktioniert bei uns diese Time-Out-Methode (das ist das Prinzip aus der Verhaltenstherapie von Kindern, auf dem die "Stillen Treppe" basiert) zur Zeit überhaupt nicht, ein geistig stark eingeschränkter 9jähriger findet nämlich ganz interessante Methoden, auch mit körpereigenen Reizen die Mutter zur Weißglut zu bringen.
 
Völlig am Ende meiner Kräfte schicke ich also am Mittwoch mein Kind wieder zur Schule, fahre mit meinem kranken Kater zum wiederholten Mal ohne Erfolg zu einer Blutentnahme zum Tierarzt und freue mich dann sehr darüber, zu Hause von der Nachbarin von der Arbeit abgehalten zu werden. Ich genieße das meistens sehr, wenn sie gerade ihre Wohnung bis nach draußen geputzt hat und bei mir für einen schnellen Kaffee wartet, bis ihre Treppe getrocknet ist.
 
Sie erzählt mir also, dass sie als berufstätige Mama heute ihre 2jährige trotz Schnupfen mit dem 4jährigen in den Kindergarten geschickt hat, um an ihrem einzigen freien Tag in dieser Woche mal den Haushalt auf Vordermann bringen zu können, ohne ein schnuffelndes Kind um sich zu haben. Gleichzeitig höre ich aus jedem Wort heraus, dass die Erzieherinnen des Kindergartens auch ihr erfolgreich das Gefühl vermittelt haben, dass wir Rabenmütter sind, weil wir unsere Kinder krank in Ihre Einrichtungen bringen.
 
Hierzu sei gesagt, ich persönlich kenne keine Mutter, die mit einem fieberkranken, gebrechlichen oder gar ansteckenden Kind in den Kindergarten zieht und dort die Pflege und Versorgung ihres armen Kindes in die Obhut fremder Menschen legt. Auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
Mir ist auch vollkommen klar, dass die kleinen Mäuse einer großen Belastung ausgesetzt sind, wenn sie mit angeknackstem Immunsystem mit anderen ebenso verschnupften Kindern zusammen gesteckt werden. Ich bin mir auch durchaus der Belastung bewusst, die wahrscheinlich ebenso anfällige Erzieherinnen und Lehrerinnen tragen, wenn sie eine Gruppe Rotznasen betreuen müssen.
 
Aber mir drängt sich doch die Frage auf, wo die Grenzen sind und wer darüber entscheidet, wann ein Kind zu krank ist für den Besuch einer Einrichtung und wo die Belastung des Personals evtl. im Vordergrund steht. Wie viel Abwehrkräfte sammelt mein Sohn jetzt in der Klasse oder wie viele Kinder sind morgen vielleicht durch ihn ebenso krank? Ich weiß das nicht, ich kann das nur jeden Morgen in großer Verantwortung meinem Kind und der Gesamtsituation gegenüber entscheiden. Und das muss ich auch von den anderen erst einmal voraussetzen, oder täusche ich mich da. Ich weiß nicht, wie da Eure Erfahrungen oder Einstellungen sind, sollten erkältete Kinder grundsätzlich zu Hause sein ? Was macht frau dann mit ihrem Arbeitgeber ? Und wie schafft eine berufstätige Mutter den Spagat zwischen Herzenswärme, dem eigenen Wunsch mit Hühnersuppe am Bett des kranken Wurms zu sitzen, und dem Pflichtbewusstsein den Kollegen gegenüber ? Ganz schön besch... Fragen ... ,  die man als "gute Mutter" so beantworten soll.
 
Übrigens klingelte fünf Minuten nach dem gemeinsamen Kaffee das Telefon, die Schule teilt mir mit, mein Kind sei doch schon sehr verschnupft und ungewöhnlich still, habe aber viel Freude und gut gegessen ????? Man müsse ihm aber sehr, sehr oft die Nase putzen :)
 
So und zum Thema Stille gibt es heute dann auch noch zwei schnelle Kärtchen von mir, die nicht ganz aktuell sind aber trotzdem heute sehr gut zu mir passen.
 
 
 

Kommentare:

  1. Liebe Melanie,

    deine beiden Karten sehen wunderschön aus, die Farben sind toll!

    LG Ingeborg

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  2. beide Karten sind zauberhaft - ich mag besonders die mit den Schmetterlingen

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